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Leben mit Behinderung während der Pandemie

„Da ich von der Maskenpflicht ärztlich befreit bin, gehe ich z.B. nicht mehr mit meiner Assistenz zusammen einkaufen, um der Frage auszuweichen, warum ich keine Maske trage. Als Rollstuhlfahrer wird man zudem merkwürdig angeschaut, weil man zur Risikogruppe gehört und dennoch keine Maske trägt. Dadurch vermisse ich den Austausch mit anderen Menschen aus Tamm.“ So antwortet Antonio Florio, der seit vielen Jahren  in unserer Gemeinde lebt, auf die Frage, was er persönlich in der Corona Krise vermisst.

 

Diese Antwort macht betroffen, denn kaum jemand hat so um sein selbstbestimmtes Leben als Behinderter gekämpft wie Antonio Florio. Jahrelang hat er mit Behörden gestritten, damit er endlich so unabhängig leben kann wie jeder nicht behinderte Mensch von uns. Also ausgehen, einkaufen, arbeiten gehen, seinen Schachklub besuchen, oder seinem Lieblingsfußballverein zuschauen, wann er möchte – oder eben auch mal nichts tun. Für dieses Leben braucht der 46Jahre alte Rollstuhlfahrer ständige Hilfe von fest angestellten und nebenberuflichen Assistent/innen, die er über das sogenannte Arbeitgeberprojekt bezahlt. Und um diese Mehrkosten von 400 Euro zu den Kosten die bei einer Unterbringung in einer betreuten Wohnform anfallen würden, kämpfte der gelernte Büroassistent 4 ½ Jahre lang, bis er endlich obsiegte.
Und jetzt: Corona. Kein anderes Thema beschäftigt die Politik und unsere Gesellschaft momentan mehr als die Pandemie. Und wo bleiben die Behinderten?
„Stichwort Impfen für Menschen mit Behinderung in Bezug auf Corona“,  fährt Antonio Florio  fort, “ ist im Moment ein ganz heißes „Eisen“, weil die Politik aus irgendwelchen Gründen Menschen mit Behinderung, die in der eigenen Wohnung leben, vorerst schlichtweg vergessen hat. Das heißt Menschen mit Behinderung, so wie ich, sind momentan weder in der Gruppe 1, noch in der Gruppe 2 vorgesehen.“ Doch er sieht es auch mit der Hoffnung des Kämpfers, der er immer war:  „Das wird sich bestimmt ändern, weil der Druck, von Selbstvertreter/innen immer stärker nach außen kommt.“
Und dann  - nach Corona – kann er sich wieder seinem Hauptanliegen widmen: Der Inklusion. Auch hier in Tamm. Er kann seinen Finger in die Wunden legen und andere Behinderte, die ein selbstbestimmtes Leben anstreben,  ermuntern es ihm gleichzutun. Das beginnt auch hier in Tamm mit der Mobilität: Denn „Sollte ich im geplanten Inklusionsbeirat der Gemeinde Tamm sein, werde ich als Erstes die Bordsteine ansprechen, da diese meiner Meinung nach, eine Katastrophe sind! Zudem würde ich mich stark machen, für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention allgemein und insbesondere in den Kitas. Denn Inklusion beginnt im Kindergarten!“
Wir von Bündnis 90/die Grünen in Tamm werden Antonio Florio auf diesem Weg unterstützen und  begleiten. Wenn Sie mehr über Antonio Florio wissen möchten, hier der Link zu seiner Website: www.antonio-florio.de

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